Interview

Die Filmmusik von «Zwingli»: Ein Blick hinter die Kulissen

20160714_CustomImages_OskarMoyano_MikeHoa081
Interview · 22. Juni 2019

Der Film «Zwingli» erzählt die Lebensgeschichte von Huldrych Zwingli aus seiner und der Perspektive seiner Ehefrau Anna. Vieles wird den Zuschauern aber nicht nur Visuell vermittelt, sondern über die Filmmusik. Wir haben nachgefragt beim preisgekrönten Komponisten-Trio Diego Baldenweg, Nora Baldenweg und Lionel Baldenweg.

Wer kennt ihn nicht den Reformator Huldrych Zwingli. Passend zum 1000-jährigen Jubiläum des Münsters in Basel zeigt Allianz Cinema den Film «Zwingli» am 13. August gleich nebenan auf dem Münsterplatz. Ganz besonders: Ein Teil der Crew wird bei der Vorstellung vor Ort sein. Die Mundart-Produktion «Zwingli» führt auf gelungene Weise ins Zürich der Renaissance-Zeit. Die Verfilmung von Stefan Haupt glänzt nicht nur mit der schauspielerischen Leistung von Max Simonischeck als Zwingli und Sara Sophia Meyer als seine Frau, sondern auch mit der Filmmusik von Diego Baldenweg mit Nora und Lionel Baldenweg. Das Komponisten-Trio gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen. 

 

Als Komponisten-Trio habt ihr drei Geschwister die Filmmusik zum neuen «Zwingli»-Film komponiert. Nora, Diego und Lionel Baldenweg, könnt ihr kurz etwas über euch erzählen?

Als Trio komponieren wir seit 2004 Musik für internationale Werbekampagnen, TV Serien und Spielfilme.

 

Welche Bedeutung hat Filmmusik für euch?

Uns gefällt die Arbeit hinter den Kulissen sowie die Vielfalt von Filmen und die unzähligen Möglichkeiten, die die Musik offenbart. Als Komponisten müssen wir wie ein Chamäleon sein und uns für jedes neue Projekt in die passende Umgebung einfügen.

 

Was ist die Aufgabe von Filmmusik?

Filmmusik ist da, um beim Zuschauer Spannung aufzubauen und die emotionalen Botschaften optimal zu unterstreichen – und diese über die gesamte Länge des Filmes aufrecht zu erhalten. Eine gute Filmmusik bildet neben dem Drehbuch, dem Schauspiel und dem Visuellen eine weitere dramaturgische Ebene. Die Filmmusik hat sehr oft die Aufgabe das Unausgesprochene und Unsichtbare zu vermitteln. Emotional wollen wir mit unserer Filmmusik den Zuschauer im Unterbewusstsein auf Szenen vorbereiten wie auch überraschen.

 

Gefühle und Stimmungen werden also nicht nur über Bild und Text, sondern vor allem auch über die Musik vermittelt. Ab dem finalen Schnitt kommt die Filmmusik hinzu und spannt den emotionalen Rahmen. Das Drehbuch wird sozusagen neu interpretiert. Wie macht ihr das und wie seid ihr bei «Zwingli» vorgegangen?

Wir haben zu Beginn jede einzelne Szene mit dem Regisseur inhaltlich besprochen und dabei eine chronologische Auflistung der Emotionen aufgestellt. Dabei sprachen wir nicht über Musik, sondern viel mehr über die jeweils gewünschten Emotionen, die wir für jede einzelne Szene definierten. Wichtig war auch die Bewegung der Reformation zu vertonen; die Räder, die immer mehr ins Rollen kommen. Dafür haben wir mit schnellen Streichern und aufwärtsbewegenden Melodien gearbeitet.

 

Die eigens von euch für den Spielfilm «Zwingli» komponierte Filmmusik ist inspiriert durch die Ästhetik des Films, scheint aber vor allem ein individuelles Kunstwerk zu sein, das den Zuhörer nicht nur in Zwinglis Zeit, sondern in eine völlig zeitlose Welt versetzt. Warum? Oder anders gefragt: Das Historiendrama spielt 1519, doch die Musik lässt nur teils, v. a. bei den Spielszenen, die Zeit der Renaissance erahnen. Warum habt ihr auf einen Mix aus Elektronik, Klassik und Moderne gesetzt?

Der Film ist auf eindrückliche Art bereits sehr linear und detailgetreu erzählt. Unsere Aufgabe war es diesen umfassenden Stoff in neue übergeordnete Themen wie «Liebe», «Revolution» und «Hoffnungslosigkeit» zu transportieren. Wenn uns jemand sagt, er habe die Bibel übersetzt, dann ist das heute für uns «old news». Wir wollten mit der Musik diese Meilensteine so vertonen, dass man heute genau dasselbe Kribbeln im Bauch hat, wie damals. Dazu bildet die Filmmusik einen dramaturgischen Gegensatz zu den bereits dokumentarisch genau recherchierten Musiken, die auf der Leinwand vorgetragen oder vorgesungen werden.

 

Was war die grösste Herausforderung für die Filmmusik/für euch beim Komponieren für «Zwingli»?

Eine grosse Herausforderung war es die Musik so zu gestalten, dass sie einerseits bescheiden und göttlich und gleichzeitig emotional und unterhaltsam ist.

 

Welche Bedeutung hat der Film «Zwingli» für euch – beruflich wie persönlich?

Es hat Spass gemacht an der Filmumsetzung eines wichtigen historischen Stoffes mitwirken zu können. Auch die Zusammenarbeit mit dem Zürcher Kammerorchester und Daniel Hope war eine sehr tolle Erfahrung. Schlussendlich freuen wir uns sehr, dass der Film so grosse Erfolge feiert und unsere Musik bereits von diversen hochkarätigen Filmmusikkritikern besprochen und gelobt wurde.

 

Warum sollen unsere Gäste den Film «Zwingli» auf dem Münsterplatz in Basel sichten?

Der Film zeigt einen Zwingli, den die meisten Leute gar nicht kennen. Der Film ermöglicht den Gästen innerhalb kurzer Zeit ein wichtiges Kapitel, sozusagen durch eine visuelle Zeitreise in das Jahre 1517, mitzuerleben.

 

Ihr habt auch die Musik für den neuen Trailer von Allianz Cinema produziert. Könnt ihr etwas darüber sagen?

Das neue Erscheinungsbild ermöglichte auch eine neue Musik. Wir haben auf eine modern-mutige filmische Umsetzung gesetzt. Wir begleiten die Organisatoren bereits seit vielen Jahren mit unserer Musik.

 

Aus dem Nähkästchen: Was steht bei euch aktuell oder als nächstes an?

Im Herbst erscheint eine grosse internationale TV Serie in der wir für die Komposition der gesamten Filmmusik verantwortlich waren.

 Tickets
 CHF
Warenkorb